Dr. Michael von Abercron MdB

Neue Chancen der Pflanzenzüchtung

von Abercron fordert: „Neue Chancen der Pflanzenzüchtung für mehr Klima -und Umweltschutz nicht ungenutzt lassen“
„Umweltpolitische Auflagen, die Herausforderungen desKlimaschutzes oder die finanziellen Engpässe vieler Landwirte machen deutlich, dass wir ohne Vorurteile Innovationen in der Landwirtschaft konsequent diskutieren und prüfen müssen, um sie dann auch zeitnah einsetzen zu können.

Durch das pro und contra in der alten Gentechnik- Diskussion sind die Fronten in der politischen Diskussion seit Jahrzehnten verhärtet. Heilsversprechungen einerseits und Verteufelung andererseits verhindern jetzt eine ernsthafte Debatte über die Nutzung der neuen Techniken, die rein wissenschaftlich nichts mit der herkömmlichen Gentechnik gemein haben, auch wenn der Europäische Gerichtshof formal zu einem anderen Urteil gekommen ist. Die Züchtungsforschung geht derweil rasend schnell voran und unseren führenden Unternehmen der Pflanzenzüchtung bleibt ohne Änderung des europäischen Gentechnikrecht nichts anderes übrig als sich außerhalb der Europäischen Union an diesem auch wirtschaftlich bedeutsamen Verfahren zur Herstellung und Vertrieb von diesem hoch spezialisierten Saatgut zu beteiligen.

Schon seit Beginn der Landwirtschaft und später durch die Agrarforschung wurden besonders geeignete Pflanzenexemplare ausgewählt und vermehrt. Die Sicherung unserer heutigen Ernährung wäre ohne diese Züchtung nicht denkbar. Seit Jahrzehnten werden in herkömmlichen Verfahren zufällige Veränderungen beispielsweise durch Bestrahlung forciert und nach dem Prinzip von „trial and error" für die Züchtung eingesetzt. Dies gleicht oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. So können mit Hilfe der neuen Techniken wie CRISPR-Cas9 gewünschte positive Eigenschaften wie z. B. eine Resistenz gegenüber Pflanzenkrankheiten viel schneller für die Praxis umsetzt werden. Wir sprechen hier von „genome editing“. Dabei müssen nicht unbedingt fremde Gensequenzen in den Organismus eingefügt werden. Es können auch Veränderungen herbeigeführt werden, die sich nach heutigem Stand der Technik nicht unterscheiden lassen von spontanen Zufallsmutationen, wie sie in der Natur ständig vorkommen. Durch diesen Weg, der inzwischen außerhalb der EU nahezu weltweit angewandt wird, lassen sich Züchtungsprozesse massiv beschleunigen und erhebliche Fortschritte z. B. im Hinblick auf eine Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln, Resistenz gegenüber Trockenheit oder auch eine gesundheitsfördernde Zusammensetzung der Inhaltsstoffe erreichen.

Es ist deshalb gut und richtig, dass auch in anderen Parteien darüber nachgedacht wird, ob die bisherigen Restriktionen für diese Technik fortbestehen sollen, denn aufgrund der In der EU festgelegten Vorschriften müssen Pflanzen, die mit Hilfe dieser neuen Techniken gezüchtet wurden, nach dem alten Gentechnikrecht aufwendige Zulassungsverfahren durchlaufen, die am Ende für die klein- und mittelständischen Pflanzenzuchtunternehmen so gut wie keine Chance auf Realisierung haben. Dabei darf der aktuelle Stand der Wissenschaft nicht links liegen gelassen werden. Nahezu alle Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen und Forschungsverbünde fordern eine differenzierende Vorgehensweise, wenn es um die Bewertung dieser neuen Methoden in der Pflanzenzucht geht. Bei einer Risikobewertung einer veränderten Pflanze darf es nicht um das eingesetzte Werkzeug gehen, sondern es geht darum, ob die konkret bearbeiteten Eigenschaften einer genomeditiertenPflanze tatsächlich Mensch, Tier oder Umwelt gefährden.

Angesichts der globalen Herausforderungen ist es zwingend erforderlich, die neuen Techniken zu nutzen. Sie sollten zu unseren Bedingungen gestaltet und so für eine nachhaltige und leistungsfähige Land- und Ernährungswirtschaft sorgen. Gerade deshalb werde ich als Pinneberger CDU Bundestagsabgeordneter die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner aktiv dabei unterstützen, wenn sie ihren Wunsch umsetzen wird, die Impulse der Wissenschaft während des europäischen Ratsvorsitzes zu nutzen, um eine Debatte über den Einsatz der neuen Züchtungstechniken in der Landwirtschaft aufzunehmen.“