Zur Ablehnung durch den Agrarausschuss des Bundesrates, das Verbot der betäubungslosen Ferkelkatration um 5 Jahre zu verschieben, erklärt Dr. Michael von Abercron:

„Die Verbraucher wollen regionale Produkte. Wenn dazu auch gehört, die Schweinemast für unsere Fleisch- und Wurstwaren mit heimischen Ferkeln zu versorgen und damit auch die jüngst zu Recht in die Kritik geratenen Tiertransporte zu minimieren, müssen jetzt umgehend praxistaugliche Lösungen für das ab 2019 geltende Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration gefunden werden.

Gerade die kleinen und häufig familiengeführten Betriebe gilt es, zu erhalten und nicht durch immer schärfere Auflagen zur Kapitulation zu zwingen. Das sollten auch die Tierschutzorganisationen und die GRÜNEN bedenken, wenn sie die emotional geführten Debatten um Kastenstände, Kastration und Schwänze-Kupieren fortlaufend anheizen.

Gerade einmal 8100 Ferkelerzeuger gibt es noch in Deutschland. 11 Millionen Ferkel werden bereits heute aus Dänemark und den Niederlanden importiert – auf stundenlangen Transporten. Das kann nicht im Interesse des Tierwohls sein!

Der Grund für die Kastration ist, dass Eber menschliche Geschlechtshormone produzieren, die zu einer starken geruchlichen Belastung des Fleisches führen. Weder die Eberhaltung noch die medikamentöse Behandlung zur Unterdrückung des Ebergeruchs sind eine verbraucherfreundliche Alternative. Die dritte Möglichkeit einer kompletten Betäubung der Tiere durch den Tierarzt ist weder wirtschaftlich noch organisatorisch realisierbar.

Ab 2019 ist es verboten, neugeborene männliche Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Eine praktikable Lösung läge im sogenannten „vierten Weg“: der Lokalanästhesie durch den Landwirt. Nach entsprechender Schulung wäre das eine sinnvolle Maßnahme.

Wenn wir wollen, dass Ferkelerzeuger in moderne Ställe investieren, müssen sie sicher sein, ihren Betrieb auch noch in 20 bis 30 Jahren bewirtschaften zu können.“

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