Es war ein guter Ausgang, den das Treffen im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Hamburg nahm. Um den runden Tisch versammelt waren neben Fischern und Windparkbetreibern auch Vertreter der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie sowie die beiden Bundestagsabgeordneten Mark Helfrich und Michael von Abercron (beide CDU). Worum ging es? Ziel des Arbeitstreffens war die Bewertung und Weiterentwicklung von Befahrensregelungen für Fischer in den Offshore-Windparks der Nord- und Ostsee. Die Fischer hatten sich in der Vergangenheit wiederholt über die massive Einschränkung ihrer Fahrtrouten und Fanggründe durch die Offshore-Windparks beschwert: „Man fühlt sich wie ein Indianer, vor dem plötzlich der weiße Mann mit einem Zettel steht und sagt: „Dein Land ist ab jetzt meins“, so Dr. Peter Breckling vom Deutschen Fischerei-Verband.

Dagmar Karsten von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt erläuterte, dass es sich bei den Windparks nicht um Betriebsgrundstücke mit Ausschließlichkeitsrechten für die Windparkbetreiber handele. Dennoch müsse ein Schutz- und Sicherheitskonzept vorliegen, um die Sicherheit für alle Beteiligten zu gewährleisten.

Nach lebhafter, aber konstruktiver Diskussion einigte man sich darauf, den Fischern die Fahrt durch Offshore-Windparks per Allgemeinverfügung mit erleichterten Bedingungen zu ermöglichen. So soll die Mindestsichtweite von 1000m auf 500m herabgesetzt werden. Eine Durchfahrt soll zukünftig bis einschließlich Windstärke acht (bisher sechs) zulässig sein, das derzeitige Nachtfahrverbot wird komplett aufgehoben.

Die Verbesserungen werden sukzessive Windpark per Windpark beginnend im Jahr 2019 in Kraft gesetzt.

Dr. Michael von Abercron, fischereipolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Bundestagsabgeordnete des Kreises Pinneberg war mit den Ergebnissen des Arbeitstreffens ebenfalls zufrieden: "Die neuen Befahrensregelungen in den Windparkanlagen sind eine wichtige Erleichterung für unsere Fischereibetriebe. Denn durch immer weitere Einschränkungen der Fanggebiete und neue Regulierungen sind die wenigen verbliebenen Fischer an der deutschen Küste ohnehin schwer gebeutelt. Daher sind innovative und kreative Projekte, wie die Fischerei von Taschenkrebsen mit Krebskörben unbedingt zu unterstützen. Darüber hinaus werden wir aber noch dringend über den angemessenen Ausgleich für den Verlust von Fanggebieten der Fischerei reden müssen," mahnt von Abercron anschließend an.

Auch Mark Helfrich, Bundestagsabgeordneter für den Kreis Steinburg – Dithmarschen Süd zeigte sich hocherfreut über die Ergebnisse des Arbeitstreffens: „Ich begrüße ausdrücklich den Prozess, der mit unserem ersten Treffen vor 9 Monaten eingesetzt hat. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ist sehr konstruktiv auf die Anliegen der Fischer eingegangen. Die hier erarbeiteten Lösungen bieten für die Fischer eine deutliche Erleichterung.“

Ein noch offener Punkt ist die Fischerei innerhalb der Offshore-Windparks. Hier sahen die Windparkbetreiber und die Behördenvertreter zwei Hinderungsgründe: zum einen bestünde die Gefahr, dass durch Fischernetze die am Meeresgrund verlegten Seekabel beschädigt werden, was zu einem Totalausfall des gesamten Windparks führen könne. Zum anderen seien die Fundamente der Windmühlen ein perfektes Habitat für allerlei Meerestiere. Insbesondere der Kabeljau nutze die Areale der Windparks, um dort ungestört zu laichen. Aus naturschutzrechtlichen Gesichtspunkten sei es daher nicht zu vertreten, in diesen Gebieten zu fischen. Dr. Antje Gimpel vom Thünen-Institut für Seefischerei stellte auf der Sitzung ein Forschungsprojekt vor, das sich mit der Ansiedlung von Taschenkrebsen in Windparks beschäftigt. Sie erläuterte, dass sich der Krebsfang mit Krebskörben zu einer Alternative für die Fischer entwickeln könnte. Im Gegensatz zur geschleppten Fischerei verbleiben die Krebskörbe an der Aussetzposition und werden nicht über den Meeresgrund gezogen. Dabei kann der Einsatz von Grundgewichten anstelle von Verankerungen das Risiko eines Kabelschadens durch die Krebsfischerei minimieren

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