von Abercron: Chancen neuer Züchtungsmethoden in der Landwirtschaft nutzen

Angeblich neue Methode zur Nachweisbarkeit von Mutagenese-Züchtungsmethoden bei Nutzpflanzen hält wissenschaftlicher Überprüfung nicht stand

Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VLOG) hat gemeinsam mit Greenpeace und weiteren Organisationen nach eigenen Angaben die weltweit erste Open-Source-Nachweismethode veröffentlicht für eine Pflanze, deren Erbgut mit einem Verfahren der sogenannten Neuen Züchtungsmethoden verändert wurde. Dazu erklärt Michael von Abercron, Landwirtschaftspolitiker im Deutschen Bundestag:

„Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit. Und daraus folgt, dass wir den Verbraucherinnen und Verbrauchern nichts vormachen dürfen. Fakt ist: Neue Züchtungsmethoden wie Crispr/CAS9 haben das Potenzial, einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige, leistungsfähige und klimaangepasste Erzeugung von Lebensmitteln zu leisten. Fakt ist auch: Es gibt bislang kein wissenschaftlich valides Verfahren, das in der Lage wäre, praktisch und gerichtsfest zu unterscheiden, ob eine Punktmutation bestimmter Nutzpflanzen durch solche neuen Züchtungsmethoden oder durch herkömmliche Mutageneseverfahren. beispielsweise somaklonale Variation, erzeugt wurde. Das hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bestätigt.

Wir unterstützen deshalb Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner darin, den Weg der Wissenschaftlichkeit weiter zu gehen. So hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), mit fachlicher Beratung des BVL und des Julius-Kühn-Instituts kürzlich ein Forschungsvorhaben ausgeschrieben. Hierbei soll überprüft werden, inwiefern für amtliche Kontrollen geeignete Nachweis- und Identifizierungsverfahren entwickelt werden können. Das ist der richtige Weg und nicht vorschnelle PR-Kampagnen für die schnelle Schlagzeile.

Mit den bisher nicht belegten Untersuchungsergebnissen geschweige denn einer wissenschaftlich nicht zertifizierten Methode wird Stimmung gegen die neuen Züchtungsverfahren gemacht. Es soll der Eindruck entstehen, dass eine einfache Lösung vorhanden sei und wir diese als Politik angeblich blockierten. Das ist mitnichten so! Ganz im Gegenteil. Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace und leider auch Abgeordnete aus den Reihen von Bündnis 90 / Die Grünen verweigern sich im biotechnischen Bereich der Anerkennung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Damit stehen sie leider der Möglichkeit im Weg, die großen umweltpolitischen Herausforderungen der Nahrungsmittelproduktion für die stetig wachsende Weltbevölkerung zu lösen. Anstatt auch die großen Chancen mit miteinzubeziehen, wird hier über große Medienkampagnen der Verbraucher weiter verunsichert.

Die Wissenschaft kommuniziert geschlossen: Wir brauchen die neuen Methoden innerhalb der Pflanzenzüchtung. Deshalb erneuern wir unsere Forderung, dass Pflanzen mit genetischen Veränderungen - die auch das Ergebnis konventioneller Züchtungsmethoden oder natürlicher Prozesse sein könnten - nicht als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) reguliert werden sollten. Wir werden uns daher weiter für eine zwingend notwendige zukunftsorientierte Novellierung des EU-Gentechnikrechtes einsetzen.

Hintergrund: Die angeblich neue Nachweismethode wurde in der Zeitschrift ‚Foods‘ publiziert. Mit dieser Methode soll offenbar ein Gentechnik-Raps eines amerikanischen Biotechnologieunternehmens nachgewiesen werden können.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) beschäftigt sich seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshof vom 25.07.2018 zur rechtlichen Regelung von genomeditierten Pflanzen und pflanzlichen Produkten intensiv mit dem Thema der Nachweisbarkeit und Identifizierbarkeit. Dazu wurde ein Forschungsvorhaben zu dem Thema ‚Machbarkeitsstudie zu Nachweis- und Identifizierungsverfahren für genomeditierte Pflanzen und pflanzliche Produkte‘ ausgeschrieben.

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